"Le village cruel" - eine gehäkelte Liebeserklärung an Nantes | Gloria Sophie Wille
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„Le village cruel“ – eine gehäkelte Liebeserklärung an Nantes

Nantes wird für mich immer die Stadt sein, die mir eine Heimat bot, als ich verloren war: Studium geschmissen, Arbeit verloren, unliebsame Stadt, unliebsame Mitbewohner und irgendwie verlassen, entschied ich mich, aufgrund eines Liedes mit dem Fahrrad von Bordeaux nach Nantes zu fahren und alles hinter mir zu lassen. Aus einer knapp dreiwöchigen Fahrradtour wurden knapp eineinhalb Jahre wohnen und leben in St Joseph de Porterie/ Nantes. Diese Zeit habe ich jetzt in einem Kleid verarbeitet.

 

Wie hab’ ich mich gefreut, als ich auf der facebook Seite der Stadt Nantes gesehen habe, dass sie diesjähriger Ehrengast beim Hafengeburtstag in Hamburg ist. Ich habe mich so sehr gefreut, dass ich erstmal eine Reihe von aufgeregten wink- Emojis an meine beste Freundin geschickt habe. Seit März arbeite ich nämlich an einem Häkelkleid über meine alte Heimatstadt Nantes. Welt, ne? Is ’n Dorf.

 

Zur Entstehung

 

Ich wollte schon seit Längerem meine persönliche Geschichte über Nantes „verhäkeln“, wusste aber nie genau, in welche Richtung das Design gehen sollte. Im März war ich dann in Berlin zu Besuch bei Freunden (die übrigens einen ganz tollen kenianischen online- shop haben). Die beiden haben viel von ihrer Arbeit mit Künstler*innen aus Kenia erzählt und mir unterschiedlichste Stoffe gezeigt.

Unter den Massen an bunt gefärbten Stoffen fand ich ihn: ein schwerer Baumwollstoff , dessen hellblaue geschlängelte Streifen mich an die Erdre erinnerte – und mein kleines Fischerhäuschen am Fluss.

"La Maisonette au bord de l'Erdre"

„La Maisonette au bord de l’Erdre“ in Nantes

Mein täglicher Blick. Frühstück auf der Terrasse. Herbst. Schreiben.

Mein täglicher Blick. Frühstück auf der Terrasse. Herbst. Schreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sofort kam mir das Lied „Cruel City“ von den Augustines wieder in den Sinn. Mit ihm die vielen Momente, in denen ich irgendwie verloren, noch nicht der französischen Sprache mächtig und völlig pleite durch die alten Gassen dieser melancholischen Stadt irrte.

 

„I still reach for you in the dark“

 

Natürlich. Da war er wieder. Der Herzschmerz von damals. Herzschmerz, Weltschmerz … irgendwie schmerzte alles. Vor allem schmerzte damals die Erkenntnis, dass ich meinem Schmerz nicht entfliehen kann. Da war ich nun, mitten in der Stadt, die mich mit den offensten Armen empfangen hat – und ich wollte nichts, als meine Ruhe.

 

Dann war da das Haus am Fluss

 

Dort, wo ich endlich Ruhe finden wollte, begann ich wieder zu schreiben, zu häkeln. Ich ging samstags zum Markt, sonntags in den Park und unterhielt mich montags vor der Arbeit mit meinen Nachbarn. Die Sehnsucht nach der Ruhe wurde dann aber von der Stille übermannt. Ich musste irgendwie wieder ins Leben, unter Menschen, raus. Meine Freunde und ich feierten und liefen nachts durch die Straßen. Wir fuhren ans Meer und schrieben Lieder über das Vergessen. Das einzige, was die Stadt zu einer „cruel city“ für mich machte, war ich selbst.

Zurück in der Gegenwart setzte ich mich noch am gleichen Abend an meinen Schreibtisch und begann meine Gedanken aufzuzeichnen und aufzuschreiben.
Fotos und das passende Hörspiel werde ich bald hier veröffentlichen. Bis dahin schaut euch auch gern meine bisherigen Crochet Art Design Projekte an, oder folgt mir auf Instagram für Bilder „behind the scenes“.

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Gehäkeltes Kleid 'Strong' - Projekt #iamsomeone
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Le Village Cruel - La vie à Nantes
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Crocheted Dress "Le village cruel"