Crowdfunding Kampagne: Woche 2 | Gloria Sophie Wille
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Crowdfunding Kampagne: Woche 2

Ich habe die zweite Woche meiner Crowdfunding Kampagne zum Großteil in meiner alten Heimat – einem kleinen Dorf an der niedersächsischen Grenze zu den Niederlanden- verbracht. Zum einen, weil ich wegen des G20 Gipfels aus Hamburg geflohen bin und zum anderen, weil ich zehnjähriges Abi-Jubiläum hatte. Zehn Jahre. Oder wie meine 18 jährige Schwester es nannte: „Krass. Manchmal vergesse ich, dass du schon eine von den ganz Alten bist.“

 

Von Schlagermusik und Mettbröchten

Traditionell gehen Oma und ich samstags, wenn ich wieder in der Heimat bin, beim Rewe einkaufen und danach im Café nebenan Käsebrötchen mit Käse essen. Während meine Großmutter im Rewe die gefühlt 100 Sorten Fleischsalat auf sich wirken ließ und sich den Kopf zerbrach, ob sie sich nicht doch vielleicht lieber ein Mettbrötchen kaufen sollte, driftete ich ein wenig ab und dachte über meinen nächsten Social Media Post zum Crowdfunding nach: „Täglich Content!“ „Wenn de hast, raushauen!“ „Schreib doch mal über…“ schalmeite mein Gewissen in den Homann Kartoffelsalat hinein. Später. Jetzt muss ich Oma erstmal beim Wurstaussuchen helfen.

Im Café angekommen versuchte ich ihr zu erklären, was ich eigentlich gerade mache und was Crowdfunding überhaupt ist. War ein wenig, als müsste ich Olaf Scholz erklären, warum der G20 Gipfel in Hamburg eine blöde Idee war: aussichtslos. (Ernsthaft, Olaf. Wenn die Hamburger schon die Olympischen Spiele nicht haben wollten, wie kann man denn nur denken, dass sie einen G20 Gipfel wohl sau stark finden?) Stattdessen unterhielten Oma und ich uns dann lieber über Chris Roberts. Der ist nämlich tot. Für mich, die mit Mutter, Oma, Opa und NDR1 Radio Niedersachsen – ihr Heimatsender aufgewachsen ist, eine Tragödie sondergleichen. So saßen wir dann bei Käsebrötchen (mit extra Remoulade) und Milchkaffee bei der Bäckerei unseres Vertrauens und stimmten „Ich bin verliebt in die Liebe, ist ist okay-hey für mich“ an. Ja, auf dem Dorf kann man noch Schlagermusik in Cafés vor sich hin summen. Oma zuliebe. Ach. Man kann das Crowdfunding auch einfach mal Crowdfunding sein lassen.

 

Du kannst nicht immer 17 sein

Abends war dann Abi-Jubiläum. Zwischen Cola- Korn und Rhababerschnaps – zunächst noch etwas verschüchtert – lernten sich alte Schulkollegen neu kennen: Was macht die jetzt eigentlich? Der ist verheiratet? Ach, du wohnst jetzt auch in Hamburg! Und was machst du so?

Natürlich erzählte ich dann auch dem einen oder anderen von meiner laufenden Crowdfunding Kampagne. Das stellt sich immer etwas schwierig dar, da man zum einen nicht auftreten möchte als sei man nur deswegen zur Feier gekommen, aber zum anderen auch an sein Projekt glaubt und gerne davon erzählt. „Wie viel ist zu viel?“ Jaja, probieren muss man.

Ich hatte das Glück, dass ich durchweg positive Resonanz bekommen habe und sich sogar alte Schulfreundinnen zur Vernissage angemeldet haben. Wie so oft habe ich mir im Vorfeld wieder viel zu viele Gedanken über mein soziales Überleben gemacht.

Nachdem dann die ersten schüchternen Annäherungsversuche (nun, immerhin hat man sich seit zehn Jahren nicht gesehen) überwunden waren, ging es mit Bier und Berentzen Saure Kirsche zu alten Erinnerungen über: „Weißt du noch damals, als wir von der Bude (auf dem Land sind das entweder ausgediente Scheunen oder Wohnwagen, in denen sich die Jugend zum Besäufnis trifft) mit dem Fahrrad nach Hause gefahren sind und du immer in den Graben gefahren bist?“ leitete mein ehemaliger Saufkumpane Christoph die Unterhaltung ein. Ja, du kannst nicht immer 17 sein. Manchmal aber schon. Vor allem, wenn man auf alte Schützenfest- Geschichten mit nem Korn anstößt. Ach, Jugend.

 

Wie H.P. Baxxter zum Schutzpatron meiner Crowdfunding Kampagne wurde

In meinem vorherigen Artikel habe ich bereits über die Weisheiten des Hans- Peter B. geschrieben. An diesem Abend des Abi- Jubiläums sollte mir dann klar werden: H.P. ist mein Krafttier.HP Rockin' it since 1996

Nachdem dann die ersten Kisten Bier geleert waren und das Buffet aufgegessen wurde (an dieser Stelle noch einmal ganz Großen Dank für die Käsehäppchen für die Vegetarier am Fleischbuffet), erklangen die ersten Noten von Scooters „Maria (I like it loud)“ und die Tanzfläche wurde gestürmt. Japp, mich eingeschlossen. So tanzten dann knapp 30 knapp 30jährige in einem Saal irgendwo an der holländischen Grenze und gröhlten mit äußerster Textsicherheit „döpdöpdöpdödödöpdöpdöp“: der Gymnasiallehrer, der Ingenieur und die Logopädin hüpften neben der Journalistin, der Apothekerin und der professionellen Volleyballerin. Klein Gloria mittendrin. Spätestens jetzt haben sich die anfänglichen Unsicherheiten gelöst und es war, als wäre ich in der Zeit zurück gereist. Nochmal jung, nochmal unbedarft, nochmal „clearly not giving a fuck“. Hans- Peter, rockin‘ it since 1996.

 

Sollte meine Crowdfunding Kampagne erfolgreich sein, werde ich zu Ehren meines Schutzheiligen ein Lied von Scooter auf der Ukulele covern.

 

Nu aber: Zurück an die Arbeit. Mein Leben an der Strickmaschine

In den drei Tagen, die mir in der alten Heimat noch blieben, kämpfte ich mich durch Wolle und Strickmaschinenanleitungen für die Winterkollektion meines Webshops „seven hour kingdom“. Das letzte Mal, als ich so frustriert war, war, als ich mich in meinem BWL Studium durch die „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“ gequält hatte.

Ständig fielen Maschen von den Haken, Wolle verhakte sich… und fiel wieder von den Haken. Nach dem gefühlt 89. Durchgang hatte ich dann verstanden, wie das Ding funktioniert und strickte im Garten meiner Mutter fröhlich vor mich hin. Drei Tage, drei Pullover. Im Gegensatz zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hatte ich hierbei tatsächlich Erfolgserlebnisse, strickte und strickte … und lauschte den Vögeln in den Bäumen und den Nachbarn meiner Mutter, die sich lauthals auf Plattdeutsch über ihren Chef beschwerten.

 

Von Fotos, Friedhöfen und (mal wieder) der PR- Arbeit

Das bisschen Heimaturlaub macht sich von allein, sagt mein Mann.

Zurück in Hamburg geht es nun wieder an den Schreibtisch. Meine Fotografin Lisa Altekrüger und ich durchforsten gerade die knapp 800 Bilder unseres letzten Fotoshootings auf dem Ohlsdorfer Friedhof. „June“ heißt das Kleid, was ich letzte Woche fertig gestellt habe. Darin verarbeite ich den Tod meines Vaters (wer mehr darüber lesen möchte, kann das hier tun). 800 Bilder sind ganz schön viel und dummerweise bin ich selbst natürlich immer überkritisch: „Meine Augenbraue hängt da zu tief. Hast du noch eines, auf dem meine Augenbraue etwas höher ist?“ Lisa bleibt dabei immer erstaunlich ruhig. Ich würde mir dabei hart auf die Nerven gehen.

Seit einer Woche arbeite ich mit newsaktuell, einer Tochterfirma der dpa, zusammen. Dabei eröffnen sich mir ganz neue PR- Welten. Ist fast ein wenig, wie ein PR- Paralleluniversum. Durch newsaktuell habe ich Zugang zur online Journalistendatenbank „zimpel“ bekommen. Dort sind alle aktiven Journalisten und Blogger aufgelistet und ich kann mir meine eigene Verteilerliste erstellen, um tatsächlich auch die Journalisten zu erreichen, die ich erreichen will – Dr. Sommer interessiert sich wahrscheinlich eher weniger für Häkelkunstausstellungen… wobei…

„Man muss seine Zielgruppen kennen“ wurde mir in einem PR- Workshop einst nahegelegt. Und so sitze ich gerade an meinem äußerst unordentlichen Schreibtisch, erstelle PR Listen und mache einen Social Media Plan für die nächsten Wochen. Dabei grüble ich bei Gnocci und der bereits dritten Tasse Kaffee darüber, was es bei der Vernissage zu essen geben sollte. Gnocci am Spieß? First things first. Zurück zum Verteiler.

 

Crowdfunding Kampagne Update

Kinners hab ich mich gefreut! Wir sind bereits bei fast 500 Euro angelangt! Hip Hip Hurra! Jetzt bleiben noch 25 Tage für die restlichen 2000 Euro, die über die Durchführung der Ausstellung „Heroic Acts of Man – not here“ entscheiden. Ich war so froh, als ich heute Morgen den Status gecheckt habe. So sehr, dass nur für euch in meiner Wohnung einen kleinen Freudentanz zu Hyper Hyper gemacht habe.


Weiterhin könnt ihr meine Crowdfunding Kampagne hier unterstützen: www.startnext.com/heroicacts


 

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