Christmas Sweater - Elephant Gun | Gloria Sophie Wille
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Christmas Sweater – Elephant Gun

© Johnny No Photography // Gloria Sophie Wille
Das Lied zum Christmas Sweater findest du hier.

„You can’t live life constantly being pulled in directions that aren’t your choices.“ (Zach Condon)

Das Lied „Elephant Gun“ der Band Beirut war eines der Lieder, was mich immer auf meinen Reisen begleitet hat. Es handelt vom Verlassen der gewohnten Umgebung, vom Drang zu gehen. Irgendwohin. Es lebt von der Einsamkeit, die sich in der melancholischen Stimme des Sängers Zach Condon wieder findet. Dabei wiegen sich die langen Töne der Trompete schwer im Lied, wie ein Elefant, der sich träge und anmutig durch die Welt bewegt. Das Wechselspiel zwischen der melancholischen Trompete und der Leichtigkeit der Ukulele unterstreichen das Gefühl, gefangen zu sein. Gefangen, irgendwo zwischen Fernweh und Heimatverbundenheit. „Elephant Gun“ erzählt davon, sich irgendwo zu befinden, wo man sich nicht zugehörig fühlt, stetig auf der Suche nach seinem Platz in der Welt.

 

Die Geschichte der Serie „Integriert.“: Der Christmas Sweater

Anfang des Jahres habe ich mit Yohannes zusammen in einer WG in Hamburg gelebt. Yohannes floh vor etwa zwei Jahren aus Eritrea nach Deutschland.

„Ich wollte Eritrea nie verlassen“, sagt er „ich habe alles versucht, um dort zu bleiben. Aber mir blieb nichts anderes übrig: entweder Dienst an der Waffe, Folter oder Flucht.“

 

Sofort kam mir wieder „Elephant Gun“ in den Kopf: If I was young, I’d flee this town, I’d bury my dreams underground… 

 

Yohannes befindet sich in einer „typisch deutschen“ Weihnachtsszenerie. Er ist umringt von Heintje und Alexandra Platten, einem Gabentisch und Herrengedeck, nett zurechtgelegt auf einem Fliesentisch, der vor einem Sofa mit Häkelbezug steht.

Die Idee, aus dem Lied einen Christmas Sweater zu stricken, kam mir, nachdem die Integrationsdebatte und darum, ob der Islam nun zu Deutschland gehöre oder nicht (mal wieder) aktuell wurde. Dabei dient der Weihnachtspullover als kritische Metapher, die unterstreichen soll, was wir als „christlich“ sehen. Damit soll auf die Oberflächlichkeit, mit der die Politik Integration begegnet, angespielt werden. Er karikiert, wie durch Kleidung ein ganzer „Kulturkampf“ künstlich herbei geleitet wird.

Kleider machen Leute?

 

Während der angehenden Integrationsdebatte ist schwingt immer wieder der Unterton von dem „Anpassen an die deutschen Leitkultur“ mit. Es wirkt fast, als müsse sie Geflüchteten übergestülpt werden – wie Oma uns damals zwang, den hässlichen Weihnachtspullover zu tragen. Dabei sollten wir vielmehr hinterfragen, was diese „deutsche Leitkultur“ überhaupt ist. Ist unser „Leitfaden“ nicht einfach nur das Grundgesetz und unsere Kultur multikulturell?

 

Wovor haben wir eigentlich Angst?

 

Unsere Gesellschaft lebt vom Pluralismus und der Vielfalt – und genau das sollte weiterhin gefördert werden. Derweil scheint es, dass es mit dem neuen Rechtsdruck dahin die freiheitliche Ordnung ins Wanken gerät. Alles in allem erzählt die Serie „Integriert“ die Geschichte eines verlorenen jungen Mannes auf der Suche nach sich selbst und seinem Platz in der Welt. Damit wird kritisch der Spiegel vorgehalten. Vorangehend mit der Frage ob das, was wir von eine „erfolgreiche Integration“ erwarten nicht an sich leere Phrasen sind. Sie karikiert die Lächerlichkeit der „deutschen Leitkultur“ und hinterfragt, ob es nicht sinnvoller wäre, die Angst vor „dem Anderen“ abzulegen und Menschen ohne Vorurteile zu begegnen.

Dass sich hinter diesen Debatten einzelne Schicksale befinden, die sich bemühen, von der Gesellschaft anerkannt zu werden und ihre Träume oftmals in ihren Herkunftsländern zurück lassen: „All that is left is all I hide“

 

„Let the seasons begin!“

 


Hintergrund

 

Bei der „Elephant Gun“ (dt. „Elefantenbüchse“, später in Finnland genutzt als „Norsupyssy“, wörtl. Übersetzung) handelt es sich um ein Gewehr, welches im 19. Jahrhundert im Zuge der europäischen Kolonialisierung zur Sportjagd von Großwild genutzt wurde. Während des ersten Weltkrieges wurde dieses Großkaliber von der Firma Mauser weiterentwickelt, um britische Panzerfahrzeuge zu durchschlagen (Tankgewehr M1918).  Dabei war das Gewehr so schwer, dass es mindestens zwei Soldaten bedurfte, das Gewehr zu bedienen. Im Verlauf des des zweiten Weltkrieges diente sie in Finnland als anti-tank rifle und den  Kolonialisierungsmächten England und Italien auf Ostafrikanischem Boden (e.g. dem heutigen Eritrea) im Kampf.
Eritrea ist ein hauptsächlich russisch- orthodoxes Land.

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Crochet Art Design
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© Gloria Sophie Wille // Lisa Altekrüger
Christmas Sweater - Elephant Gun
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© Johnny No Photography // Gloria Sophie Wille