Chasing the Sun - 'Frances' | Gloria Sophie Wille
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Chasing the Sun – ‚Frances‘

  • Crochet Art Design

Meine Inspiration

 

Dieser Zweiteiler ist inspiriert von The Maccabees – Slow Sun.

Er ist angelehnt an das Design von Geschäftskostümen und unterstreicht damit den Druck, unter dem sich die Protagonistin befindet, und wie sie versucht, ihre Welt zusammen zu halten. Wie sie Stärke zeigt, wenn der Sturm draußen tobt.  Die Vorderseite ist komplett bedeckt – wie eine Wand, die sie umgibt. Der Rücken hingegen ist frei, zeigt ihre Verletzlichkeit und wie einfach ihre Mauer durchbrochen werden kann. Dort findet sich auch der Titel des Liedes „Slow Sun“ in Form einer gehäkelten Sonne wieder. Das gesamte Oberteil verdeutlicht, wie das „Netz“ aus Zweifel, Liebe, Stärke, Unsicherheit sie selbst zusammenhält.
Den bordeaux- farbenen Seidentaft habe ich in einem Second- Hand Laden in meinem Heimatort gefunden. Ich habe ihn als Referenz zu den im Lied vorkommenden Text „The red won’t come off you“ (Du wirst das Rot nicht los) genutzt. Der Stoff war ein Überbleibsel aus einer Wohnungsauflösung.

 

Kurzgeschichte

 

„Du bist so ein besonderer Mensch. Ich bin immer wieder auf’s Neue fasziniert von allem, was du sagst. Vielen Dank für deine Nachricht. Ich kämpfe gerade mit einem extremen Jetlag aber ich werde später mehr schreiben. Auf die Liebe! Liebe aller Art! Bis bald, Sam.“

Die Wörter kehren wieder und wieder zurück in meinen Kopf. Auf die Liebe! Wie ein Pfeil bohren sie sich durch mein Herz. Sieben Sätze. 44 Worte. Vergiftet. Sam hat mich schon mal betrogen. Aber dieses Mal ist es anders.

Ich sitze auf dem Sofa in unserem Wohnzimmer. Unserem Wohnzimmer. Ich bin umringt von Kameras, Mikrophonen und Leuten, die in ihre Smartphones sprechen. Liebe aller Art! Ich bin ohne Gefühl. Taub.
„Bist du fertig?“, fragt mich der Kameramann.
Sie produzieren gerade einen Film über „Die Band“. Die Band. Die Band, die ich mit aufgebaut habe, der ich zur Seite stand und die gute Seele im Hintergrund war. Ich habe Sam seinen ersten E-Bass von meinem ersten Gehalt als Kindergärtnerin gekauft. Damals sind wir gerade in ein kleines Apartment in irgendwo Brooklyn gezogen. Die erste Wohnung, in der nur wir zwei gemeinsam lebten. Alles Geld, was wir ersparen konnten, floss direkt in die Band. Ich glaubte an ihn. Und ich glaube noch immer. Er ist die Liebe meines Lebens, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich so weiter machen kann. Ich bin fasziniert von allem, was du sagst – Ich frage mich, wie sie aussieht.

Es fühlt sich an, als würde ich neben mir stehen und mich selbst beobachten, wie ich auf dieser Bambus-Couch sitze, die Sam und ich auf einem Flohmarkt in Williamsburg gekauft hatten. Wie wir versuchten, sie mit der Bahn zurück in unser neues Apartment zu schaffen. Wir hatten nichts, außer dieser dämlichen Couch, die ich jetzt am liebsten abfackeln würde. Auf die Liebe! Fick dich! Ich sehe, wie ich die Fragen beantworte, die ich schon so oft vorher beantworten musste: Wie habt ihr euch kennen gelernt? Und war die Zeit auch schwierig für dich?
Ich lächle. Ich habe meine Träume für ihn zurückgestellt. Du kannst keine Kinder haben, wenn dein Mann ständig auf Tour ist. Es würde die Band zerstören. Es ist doch sein Traum. Ich selbst habe das Töpfern aufgegeben, weil neben meinen zwei Jobs kaum mehr Zeit bleibt. Ich höre, wie ich mit einem gezwungenen Lächeln antworte: „Ja, das Leben war nicht immer einfach.“
Sam ist gerade auf Europa-Tour. Er hatte mich gefragt, ob ich mitkomme. Aber ich habe nicht frei bekommen können. Bis bald. Er wird sich mit ihr treffen.
Diese brennende Eifersucht frisst mich von innen auf und betäubt mich von außen. Sobald die Kameras aus sind, werde ich die Wohnung putzen, ein paar Erledigungen machen und vielleicht ein paar Blumen für den Wohnzimmertisch kaufen. Er hat mir One- Night- Stands immer gebeichtet. Aber dieses Mal ist es anders. Sie schreiben mittlerweile seit mehr als sechs Monaten. Seitdem er das letzte Mal in Europa war. Er hat vergessen, seinen Laptop zu schließen. Ich konnte ihn nicht darauf ansprechen und tat einfach so, als hätte ich es nicht gesehen. Ich glaube, er hat sich verliebt.

Schnitt. Das Film- Team hat seine Arbeit für heute im Kasten. Sie werden der Band nach Europa folgen, um in Paris ein paar Aufnahmen mit Fans zu bekommen.
„Möchtest du, dass ich für deinen Mann etwas mitnehme?“, fragt mich der Kameramann.
„Ja. Ich habe ein paar Hemden zusammengelegt und habe ihm eine neue Jeans gekauft. Er meinte, dass eine seiner Hosen so aufgetragen war, dass sie fast auf der Bühne gerissen wäre.“ Ich versuche ehrlich zu lachen. Ich frage mich, ob sie eines dieser Hemden aufknöpfen wird, seinen Gürtel öffnet und dann den ersten Knopf seiner neuen Jeans. Die, die ich für ihn ausgesucht habe. Meine Augen füllen sich mit Tränen.
„Alles klar?“
„Huh? Oh ja. Es ist nur… ach… nichts“. Ich lächle. Auf die Liebe! „Sag Sam, dass ich ihn liebe!“
„Mach ich, Süße!“ Eine Umarmung. Sie sind weg. Ich möchte weinen, ich möchte schreien, aber ich muss die Wohnung aufräumen, ein paar Erledigungen machen und vielleicht ein paar Blumen für den Wohnzimmertisch kaufen.

Ich entscheide mich dazu, ihn anzurufen. Mittlerweile dürften sie mit dem Auftritt in Berlin fertig sein. Keine Antwort.
Eifersucht überkommt mich. Ich gehe in der Wohnung auf und ab. Du verdammtes Arschloch! Ich atme tief ein … und wähle seine Nummer erneut.
„Hallo?“
„Hey Liebster, wie war die Show?“
„Hey Baby, es war super! Einfach genial! Die Menge war (Geräusche im Hintergrund). Sorry, Liebes. Es war ausverkauft! Der Raum war voll mit Menschen, die alle unsere Lieder kannten. Ich bin immer noch so beeindruckt. Wie geht’s dir daheim?“
„Super. Gut, das Film-Team war heute hier, und… (Geräusche im Hintergrund)“
„Sorry, Liebes, ich kann ich echt nicht verstehen. Wir gehen jetzt noch was trinken. Kann ich dich morgen zurück rufen?“
„Klar, sicher… Ich…“
„Lieb dich“
„Ich liebe dich auch“

Ich muss ins Bett. Ich muss morgen früh raus.
Bevor ich schlafen gehe, schaue ich noch mal auf seine Instagram Seite und sehe ein Bild von einer feiernden Menge, er auf der Bühne „Danke, Berlin!“
Ich frage mich, ob sie auf diesem Bild ist. Ich drücke auf „like“ und kommentiere „Ich bin so stolz auf dich“ mit einem kleinen Emoji-Herzen. Ich weine mich in den Schlaf. Dieses Mal ist es vielleicht vorbei. Ich frage mich, ob er gerade bei ihr ist. Auf die Liebe…

Sam kommt morgen zurück. Er war über zwei Monate auf Tour in Europa. Er hat sie nie erwähnt. Er wahrte seine Maske während die Angst das Beste von mir nahm. Ich habe mich entschlossen zu warten und zu schauen, ob er mir von ihr erzählt. Wir haben uns auseinander gelebt. Dieses Mal ist es vielleicht vorbei.

Die Wohnung sieht schön aus. Es ist warm und gemütlich hier drinnen, während ein Sturm draußen tobt. Ich habe ein paar Narzissen für den Wohnzimmertisch gekauft. Meine Lieblingsblumen. Er wollte nicht, dass ich ihn vom Flughafen abhole, weil das „unnötiger Aufwand“ sei. Es ist spät und ich bin müde. Ich habe die weiße Wolljacke angezogen, die er mir geschenkt hat, als wir noch zur Uni gingen. Ich habe Tee aufgesetzt. Ich bin taub. Ich weiß nicht, wo ich mich hinsetzen soll. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Hier stehe ich mit einer Teekanne in meiner rechten, einer roten Tasse in der linken Hand. Meine Blicke schweifen unruhig durch den Raum. Ein Gefühl von Angst überkommt mich. Weine nicht, Frances, er wird bald zu Hause sein und merken, dass du geweint hast. Er wird wissen wollen, warum. Ich atme tief ein und setze mich auf’s Sofa. Wie kann eine schöne Erinnerung so tödlich werden?
Ich höre seine Schlüssel in der Wohnungstür. Der Sturm tobt. Mein Herz klopft. Weine nicht. Er wird es merken. Er wird wissen wollen, warum. Die Tür schließt. Ich höre, wie er seinen Gitarrenkoffer auf den Boden stellt. Schritte in Richtung des Wohnzimmers. Seine Haare sind nass. Seine leuchtend blauen Augen müde. Sein Hemd durchnässt. Er schaut mich an. Ich fühle, wie kalt ihm sein muss. Ich schaffe es nicht aufzustehen und ihn zu küssen. Ich kann es einfach nicht. Das Gewicht dieses Moments fesselt mich an die weißen Kissen des Sofas. Ich schließe meine Jacke und schaue auf den Wohnzimmertisch. Narzissen, Teekanne, Tasse – willkürlich angeordnet. Ich möchte etwas sagen, ich will, dass er etwas sagt. Irgendwas. Mein Blick ist fest auf die Teetasse gerichtet.
„Möchtest du etwas Pfefferminztee haben, Sam? Ich habe ihn gerade frisch aufgesetzt und dir ist bestimmt kalt.“ Seine Augen füllen sich mit Tränen, er starrt auf die Tasse Tee auf dem Wohnzimmertisch. Wir heben unsere Blicke. Das erste Mal seit über einem Jahr, schauen wir uns an, sehen uns und … kennen uns. Er fängt an zu weinen. Er weiß, dass ich es weiß. Er setzt sich neben mich, versteckt sein Gesicht in seinen Händen und legt seinen Kopf in meinen Schoß. Ich streiche ihm über’s Haar.
„Ich liebe dich, Frances“
Stille
„Ich liebe dich auch“
Stille
„Es wird alles gut werden, Sam“

 

 

Fotografie: Lisa Altekrüger
Konzept//Geschichte//Design: Gloria Sophie Wille

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